Die Pinnau - Eine Serie vom Verein Historisches Uetersen  
Sonnabend/Sonntag, 13./14. Dezember 2003  

EIN FLUSS PRÄGT EINE STADT – HERAUSGEGEBEN VOM VEREIN HISTORISCHES UETERSEN TEIL VII

Die Pinnau

Von der Klappbrücke bis zur Drehbrücke

Die 1827 gegründete Jacobs  Werft in Moorrege baute Ewer für die Küstenschifffahrt und wuchs zusehends.

Von Marlen Sönnichsen

Auf der Werft wurde ein fünf­ter Helgen angelegt, und um die Jahrhundertwende 1899/1900 erfolgte die Umstellung von Holz  auf den Stahlschiffbau. Am 14. August 1899 lief bei der Jacobs Werft der See Ewer Ein Ereignis ist besonders zu erwähnen: Am 29. Oktober "Mary Stoffer" vom Stapel. Joachim Kaiser beschreibt in seinem Buch "Segler in der Zeitenwende" das Schiff und seinen Eigner Jens Stoffer. Hier einige Auszüge aus dem Buch: "Die "Mary Stoffer" war das 4. Stahlschiff der Werft und das 1. Schiff mit einem stählernen Boden. Es wurde hauptsächlich in der Komposit Bauweise gebaut, d.h. die stählernen Schiffe hatten einen Holzboden.

Für 40.000 Reichsmark hatte Kapitän Johs. Meyer aus Uetersen sein Schiff "Freiheit" samt Motor bei der Schiffergilde "Emanuel" versichert, wie der Gilde Brief vom 13. September 1938 dokumentiert.
Original: Archiv Historisches Uetersen

Das Schiff wurde von Jens Stoffer aus Uetersen in Auftrag gegeben und nach seiner Tochter Mary benannt. Im Jahre 1900 kam das neue Schiff in Fahrt. Stoffer hat von Anfang an kleine Küstenfahrt betrieben. Es wurden Frachten zwischen Hamburg und verschiedenen Ostseehäfen transportiert. Befördert wurde alles, was angeboten wurde, so z.B. Mais, Gerste, Abfalleisen, Dünger, Zement, Manersteine, Stabholz, Ton, Leinkuchen und weiteres. Die Mary Stoffer hatte eine Ladefähigkeit von ca. 80.000 kg. Die jährliche Fahrtzeit erstreckte sich von März bis Dezember."

Jacobs Werft in Moorrege

Ein Ereignis ist besonders zu erwähnen: Am 29. Oktober 1905 wurde Jens Stoffer in der dänischen Ostsee bei dem Ver­such, das bei Sturm über Bord gehende Beiboot festzuhalten, mit über Bord gespült. Seinem Knecht konnte er noch zurufen, den Anker fallen zu lassen. Er selbst konnte sich am Beiboot festhalten und wurde nach zwei Stunden gerettet. Er war von der Insel Bransö aus ent­deckt worden. Jens Stoffer wur­de von seinen Rettern gut versorgt. Am nächsten Morgen wurde er von dem Dampfer „Juristen“ an Bord seines Schiffes zurückgebracht. Das Schiff hatte starke Schlagseite, konnte jedoch unter kleinen Segeln Kolding Hafen erreichen. Die Fracht, 85 Tonnen Leinkuchen nach Aarhus, wurde gelöscht, und der Schaden am Schiff konnte behoben werden.

Durch einen schweren Unfall im Jahre 1919 musste Jens Stoffer 9 Monate im Krankenhaus zubringen. Während dieser Zeit fuhr zu Anfang der Uetersener Schiffer A.. Theunert als Setzschiffer. Später (noch im Jahre 1919) kaufte Theunert das Schiff zum Preise von 20.000 Mark. Als Jens Stoffer aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte er sich für den Erlös aus dem Verkauf seines Schiffes 1 Zigarre kaufen   die Inflation hatte inzwischen solche Ausmaße angenommen. Das Schiff erhielt den Namen "Käthe" und wurde in Hamburg registriert. 1924 erhielt es eine Maschine. 1926 wurde der Rumpf verlängert und erhöht. 1936 wurde das Schiff ein zweites Mal verlängert. Es war jetzt 29 m lang, hatte 96 BRT und eine Tragfähigkeit von 171 Tonnen. Nach dem 2. Weltkrieg fuhr die ehemalige „Mary Stoffer" noch als "Anne Helene" unter dem Uetersener Schiffer W. Körner. Am 18. November 1969, nach fast 70jähriger Fahrtzeit, wurde sie im Haseldorfer Hafen abgewrackt.

Durch die Umstellung auf den Eisenschiffbau und den damit verbundenen Lärm der Niethämmer kamen alsbald Beschwerden aus der Nachbarschaft, u.a. von der Priörin des adeligen Klosters in Uetersen und vom damaligen Besitzer von Schloss Düneck, Johann Peter Baas. Eine diesbezügliche Klage wurde jedoch zugunsten des Werftbetriebes entschieden. Bis zum 1. Weltkrieg baute die Jacobs Werft 21 hölzerne und 67 stählerne Ewer. Außerdem liefen noch eine Schleppbarkasse und ein Feuerlöschboot für die Stadt Lübeck vom Stapel. 1914 mit Beginn des Krieges erlosch die Neubautätigkeit, und es wurden nur noch Reparaturen ausgeführt.

Blick in die Marktstraße um 1910. Im Haus Nr. 15 (zweites von rechts) residierte der berühmt- berüchtigte Johann Peter Baas, der "Schmugglerkönig" genannt wurde. Vor ihm gehörte das Haus Uetersens Ehrenbürgerin Cäcilie Bleeker, und später beherbergte es die Kanzlei des Rechtsanwalts und Landtags-abgeordneten Hans Detlef Stäcker. Das Gebäude steht heute zum Verkauf. Foto: Schweim

1939 lief das größte Schiff der Jacobs Werft, die 320 t große "Käthe Theunert" vom Stapel. Über dieses Ereignis berichteten die "Uetersener Nachrichten" damals wie folgt: " Als äußeres Zeichen des festlichen Zeitpunkts trugen die Werft und das Schiff reichen Flaggenschmuck. Die Pinnau wies einen günstigen Wasserstand auf. Viele Zuschauer aus der Umgebung waren zusammengekommen, um Zeuge des Stapellaufs zu sein. Noch lag das Schiff vertaut auf den Helgen. Man wartete auf das Ansteigen des Wassers in der Pinnau, andererseits wollte man noch gerne vor Eintritt der Dunkelheit den Stapellauf stattfinden lassen. Gegen 16.30 Uhr begann dann der feierliche Akt, der mit einem Taufspruch der Tochter des Schiffseigentümers, Marianne Theunert, eingeleitet wurde: "Du stolzes Schiff, gleich wirst du deinem Element übergeben. Möge der Allmächtige dich behüten, dem Erbauer zur Freude, dem Besitzer und der Mannschaft zur glücklichen Fahrt. Ich taufe dich auf den Namen "Käthe Theunert" und wünsche auf allen Meeren gute Fahrt!" Nach der Indienststellung im Juni 1939 fuhr die "Käthe Theunert" schon ab 3.Mai 1940 für die Kriegsmarine, und zwar unter anderem als Torpedo Transporter. Am 24. April 1944 sank sie schwer beschädigt nach einem Fliegerangriff am Hindenburgufer in Kiel. Nach dem Krieg konnte sie wieder geborgen und instand gesetzt werden.

Der See Ewer "Mary Stoffer", gebaut auf der Jacobs Werft in Moorrege, gehörte dem Uetersener Jens Stoffer. Am 29. Oktober 1905 geriet Stoffer in der dänischen Ostsee in schweren Sturm und wurde über Bord gespült. Erst nach 2 Stunden im eisigen Wasser wurde er gerettet und überlebte.

Im Mai 1978 wurde sie abgewrackt.

Der Schiffstyp der "Käthe Theunert" sollte auf der Jacobs Werft als Prototyp für weitere Neubauten dienen. Der 2.Weltkrieg und seine Folgen durchkreuzten diese Pläne. Aufgrund der Materialrationierung in den Kriegsjahren konnten Neubauten für private Auftraggeber nicht mehr ausgeführt werden. 1941 starb Johann Hinrich Jacobs, und sein Betrieb ging an die drei Kinder über. Der Sohn Hans Jacobs leitete den Betrieb bis zur Stilllegung im Jahre 1960. In dieser Zeit wurden hauptsächlich Umbau  und Reparaturarbeiten durchgeführt. Der letzte Neubau war die 15 t große "Drommel", die für einen Obstbauern in der Haseldorfer Marsch gebaut wurde. Dieses Boot wurde später zu einem Ewer umgebaut und erhielt den Namen "Die Veränderung".


De swatte Fluss Pinnau.
Een Gedicht vun Hans Werner Wilhelm uut Heist, schreeben in 1965
Dusend Johr und länger noch
Treckt unse Pinnau dörch dat Land,

mol breet, mol small mit veele Kurve

vun't Himmelmoor no'n Elbestrand.
Ick kenn di jo all lange Johrn.
Wut is blots ut di worden?
Fröher dor wer dien Woter klor,
hüt hett man di verdorben.
Du sülben kannst dor nix bi moken,
dar du nich mehr so sauber büst.
De Minschen mokt de slimmen Soken
Und pumpt di vull mit all dat Gift.
Dat Fluss nu mol vun fließen kummt,
dat hett he gau begreepen,
poor dicke Rohre in de Grund
und rinn mit de Chemie und Seepen.
De Ebbe und de Floot,
de bringt nu überall den Doot,
de Fisch sünd krank und jappt no Luft,
dat schiedich Woter ward ehr Gruft.
No'n Mond und Mars dor könnt wi fleegen,
ober dütt hier kriegt wi nich in'n Griff.
Hier op de Eer dor wöölt wi leben,
und nich op'n Mond an'n Kraterriff,
Kann dat nich so ass fröher warden,
dor kunst noch in de Pinnau booden
kunnst Krebse fangen und ok mo'n karben,
und kunnst mol dörch de Grobens waden.
Kunnst öbersetten mit de Fähr
Bi Opa Clausen to jede Tied,
kunnst Fattbruus drinken oder Beer
op sien Terrasse dicht an'n Dieck.
Kunnst wilde Tulpen plücken bi von Döhren
und Football speelen mit de annern Göhrn,
kunnst schippern op'n Kanister Floß,
junge, dat mök di'n Riesenspooß.
Vun denn Anlegger bi Plump
Kannst mit de Barkass in't Ole Land,
kannst Kirschen kööpen und ok Wuss,
ick glöv, dat is veele noch bekannt.
Wenn alle hier mit helpen dot,
denn kriggt wi dat ok hin,
dat de Natur in't Woter kummt,
und de Chemie, de mut verswinn.
Denn ward wi wedder Freude hemm
An unse schöne Au,
und smecken dot denn ok de Fisch.
Dat weet ick ganz genau!