Die Pinnau - Eine Serie vom Verein Historisches Uetersen  
Sonnabend/Sonntag, 7./8. Februar 2004  

EIN FLUSS PRÄGT EINE STADT – HERAUSGEGEBEN VOM VEREIN HISTORISCHES UETERSEN TEIL XV

Die Pinnau

Von der Klappbrücke bis zur Drehbrücke

Auf dem Ziegelei­gelände an der Pinnau entstand 1949 das Einheitserdewerk

Von Marlen Sönnichsen

Der Baumschüler Werner Tantau (1914 1992) aus Tornesch nahm 1949 als Meisterprüfungsanwärter an einem Vortrag von Professor Dr. Fruhstorfer teil, der über seine patentamtlich geschützte Erfindung, die "Fruhstorfer Einheitserde" und deren industrielle Herstellung berichtete.

Bei dieser Erfindung handelte es sich um eine einheitliche Erde für alle Unterglaskulturen. Die Erde bestand aus einer Mischung aus bodenkundlich geprüftem Untergrundton, geeigneten Torfarten, sowie einer optimalen Menge an mineralischen Düngesal­zen.

So fing alles an: Mit Schaufeln mischten die Arbeiter Torf und Ton zu Pflanzenerde.
Foto: Archiv Historisches Uetersen

Einheitserdewerk Uetersen
Tantau  

Die Vorteile für Gartenbaubetriebe lagen auf der Hand: Es brauchten keine eigenen Erdlager mehr vorgehalten zu werden, und Abweichungen im Mischungsverhältnis wurden praktisch ausgeschlossen.

Dem Gärtner stand nun jeder zeit ein gebrauchsfertiges Kultursubstrat zur Verfügung. Werner Tantau war von der neuen Idee fasziniert und machte sich das Konzept zu eigen.

Am Stichhafen gab es die gerade stillgelegte Ziegelei, die sein Urgroßvater Johann Peter Baas gegründet hatte und 1949 seinem Onkel, Hugo Schinckel, gehörte. Tantau kaufte seinem Onkel ein 6 Hektar umfassendes Gelände mit noch vorhandenen Tonkuhlen ab, und dieses bot die erforderliche Grundlage für das geplante Einheitserdewerk. Tantau verpachtete einen Teil des Geländes mit Tongruben an die Stadt Uetersen, die das Areal und die Gruben als Müllabladeplatz nutzte. Die Müllhalde wurde zwischenzeitlich abgedeckelt mit Folie und Erdschicht, so dass keine Schadstoffe austreten können. Ein zweites Teilstück verkaufte Tantau an den Bauunternehmer Peter Möller, das heute wieder zum Verkauf steht, und ein drittes an die Stadt. Heute befindet sich darauf der im Jahre 1963 errichtete städtische Bauhof.

Werner Tantau gründete 1949 das Einheitserdewerk am Stichhafen.
Foto: Archiv Historisches Uetersen

Die Tongruben auf dem verbliebenen Gelände lieferten den für die Einheitserde erforderlichen Ton. Der Torf, als zweiter Grundstoff, war aus den umliegenden Hochmooren zunächst kostengünstig und bequem herbeizuschaffen. Heute ist kaum mehr vorstellbar, unter welchen Bedingungen gearbeitet wurde. Die Schaufel war das wichtigste Utensil. Mit der Hand und mit Schaufeln mischten die Arbeiter im ersten Produktionsjahr nahezu 450 cbm Einheitserde.

1950 durften erstmals nach dem Krieg wieder Pflanzen angebaut werden. Es stellte sich bald heraus, dass Werner Tantau mit seinem Konzept in eine Marktlücke gestoßen war, denn der Erwerbsgartenbau nahm nun stetig zu. Wieder und wieder wurde im Werk in technische Verbesserungen investiert. Zwischenzeitlich sorgen hochmoderne computergestützte Anlagen für immer gleich bleibende Erdqualitäten. In eigenen Fachlaboren mit gleichzeitiger Unterstützung durch die Fachhochschule Weihenstephan entwickeln Wissenschaftler ständig neue Erdmischungen und kommen so den Bedürfnissen des Marktes nach. Strenge interne Qualitätskontrollen, auch durch das Bodenuntersuchungs Institut Koldingen, sorgen für einwandfreie Erden.

Dipl. Ing. Olaf Lorenz, Enkel des Firmengründers Werner Tantau. Foto: Archiv Historisches Uetersen

Seit 1959, arbeitet die Firma im Verbund mit drei weiteren Einheitserdewerken in Deutschland: den Einheitserde  und Humuswerken Gebr. Patzer in Sinntal Jossa, dem Balster Einheitserdewerk in Fröndenberg und dem Einheitserdewerk Hameln A. Stangenberg. Die Standorte sind gleichmäßig über die gesamte Republik verteilt. Die damit möglich gewordene Lieferlogistik garantiert einen schnellen Lieferservice mit meist werkseigenen LKWs.

Torf kommt aus dem Ostseeraum

Im Jahr 1982 übergab Werner Tantau ein florierendes Unternehmen an seine älteste Tochter Frauke Lorenz. Ihr Ehemann Hans Jürgen Lorenz baute 1981 eine neue Produktionshalle mit einer automatisch gesteuerten Erdmischanlage auf. Die Produktpalette wurde ständig erweitert. Bei der inzwischen eingeführten Marke "Frux", einer Erdmischung in Kleinpackungen für Hobbygärtner, wird nahezu für jede Pflanzenart ein geeignetes Substrat angeboten, das durch ein Düngerprogramm für verschiedene Einsatzgebiete abgerundet wird.

Hauptabsatzgebiete des Einheitserdewerks Uetersen sind neben Norddeutschland und Dänemark die nördlichen neuen Bundesländer und Berlin. Hier nahm man 1994 eine neue Niederlassung in Betrieb auf einem 6000 qm großen Gewerbegrundstück in Wansdorf bei Berlin.


In der Produktionsstätte am Stichhafen entstehen Erd  und Düngermischungen für Hobbygärtner, Gärtnereien und Großbetriebe.
Foto: Archiv Historisches Uetersen